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Père Martin de Cochem

Pater Martin von Cochem
(*13. Dezember 1634 mit dem Geburtsnamen Linius in Cochem an der Mosel; † 10. September 1712 in Waghäusel) war ein katholischer Priester des Kapuzinerordens und Bestsellerautor zahlreicher religiöser Bücher, die eine weltweite Verbreitung fanden und zum Teil noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts nachgedruckt wurden. In seinem Geburtsort Cochem befindet sich an seinem Geburtshaus in der Liniusstraße eine Gedenktafel.

· Roth, Konradin; Pater Martin von Cochem 1634–1712. Versuch einer Bibliographie, Koblenz-Ehrenbreitstein 1980
· Persch, Martin; Das Trierer Diözesangesangbuch von 1846 bis 1975. Ein Beitrag zur Geschichte der Trierer Bistumsliturgie (= Trierer theologische Studien Bd. 44), Trier 1987; - NDB XVI, 278-279
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Cochem

MARTIN von Cochem
(Geburtsname: Linius, Linn oder Linden), Volks- und Erbauungsschriftsteller, * 13.12. 1634 in Cochem, + 10.9. 1712 in Waghäusel; - M. entstammte einer moselländischen Hutmacherfamilie, trat dem Kapuzinerorden bei, wurde am 2.3. 1653 eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Martin. Noviziat und Studium absolvierte er wahrscheinlich in Köln, die Priesterweihe erhielt er um das Jahr 1658. Im gleichen Jahr zog er in die Ordensniederlassung nach Aschaffenburg, wo er 1663 seine theologischen Studien beendete. Ab 1664 war er als Lektor der Philosophie und Subvikar in Mainz tätig, ab 1668 in Ehrenbreitstein, Bensheim und Nothgottes. Später finden wir ihn als Seelsorger in Trier (1674), Königstein (1675-1678) und Dieburg (1679). Von 1682 bis 1685 war er als Visitator des Mainzer Kurfürsten für das Aschaffenburger Kommissariat tätig. In den Folgejahren finden wir ihn als Seelsorger in Dieburg, Ehrenbreitstein, Bernkastel, Günzburg, Passau, Linz, Prag und Walldürn. 1698/9 amtierte er als vom Trierer Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck ernannter Visitator in der Erzdiözese Trier. Ab 1700 befand M. sich in Waghäusel, in der Folge dann in Bernkastel, Aschaffenburg sowie Mainz und seit 1709 wohl endgültig in Waghäusel, wo er auch starb und seine letzte Ruhestätte fand. M. ist der bedeutendste und verbreitetste barocke Volks- und Erbauungsschriftsteller der Rheinlande gewesen. Wir kennen 24 große Buchpublikationen, von denen seine »Meßerklärung« (398 Auflagen), der »Güldene Himmelsschlüssel« (331 Auflagen) und das »Leben Christi« (177 Auflagen) die bedeutendsten sind. Die »Meßerklärung« und der »Himmelsschlüssel« wurden noch 1957 aufgelegt. 26 weitere Werke werden (wohl irrig) seiner Feder zugeschrieben; 16 größere Bücher wurden aus seinen Schriften zusammengestellt. Diese waren etwa im Trierischen nach zeitgenössischen Berichten während des 18. Jahrhunderts fast die einzigen Gebetbücher, die das Volk verwendete. Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts standen sie in der Diözese Trier an der Spitze aller verbreiteten Gebetbücher. Trotz massiver Angriffe seitens der Aufklärung, die M.s Bücher zu denjenigen zählte, die »blos Klostermoral, Mönchsbüßungen, Einfälle der Novizenmeister, Mystizis'm, bloße fromme Empfindeleien und - Unsinn enthalten«, griffen die Gläubigen immer wieder zu den ihnen lieb gewordenen Gebetbüchern. Ihren durch die Schule der Aufklärung gegangenen Seelsorgern war dies ein Dorn im Auge. Aber M.s Volkstümlichkeit, Orginalität und Lebensfrische sicherten ihm auch im 19. Jahrhundert, erst recht seit der Romantik und Restauration, seinen Platz in der christlichen Familie. Seine Bücher suchen einen engen Anschluß an das Kirchenjahr, bieten ausgiebige Belehrungen, sind biblisch fundiert und wenden sich in ihrer warmherzigen Art vornehmlich an das Gemüt der einfachen Gläubigen. Sie gehören zu der Gattung, die »das persönliche Gebet bei und außer der Liturgie nähren« (Theodor Schnitzler), die aktive Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie aber nicht fördern konnten. Im Sprachlichen und Formalen gibt es in M.s Werk für die Frömmigkeit in der Jetztzeit Barrieren, die nicht durch einfache stilistische Umarbeitung wegzuräumen sind. Doch können sein Einfühlungsvermögen, seine Herzlichkeit, sein Gespür für die Bedürfnisse der »einfachen Gläubigen« und sein Vermögen, komplizierte theologische Gehalte zu vermitteln, durchaus als von bleibender Bedeutung bezeichnet und fruchtbar gemacht werden.
Werke: Werke und Literatur (246 Titel) bei: Konradin Roth, P. Martin von Cochem 1634-1712. Versuch einer Bibliographie, Koblenz-Ehrenbreitstein 1980; - Die bedeutendere Lit. findet sich beim gleichen Autor, Art. Martin de Cochem, in: Dictionnaire de Spiritualité X (1980) 680-682, 682; - Andreas Heinz, Die sonn- und feiertägliche Pfarrmesse im Landkapitel Bitburg-Kyllburg der alten Erzdiözese Trier von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (= Trierer theologische Studien Bd. 34), Trier 1978; - Franz Rudolf Reichert, »Mit dem Herzen und im Geiste beten«. Von der bleibenden Bedeutung des Pater Martin von Cochem für unsere Frömmigkeit heute, Trier 1984. Vgl. auch: Bleibende Bedeutung von Pater Martin von Cochem, in: Paulinus. Trierer Bistumsblatt 110 (1984) Ausgabe Nr. 47 vom 18.11.1984, 25; - Ders., Pater Martin von Cochem (1634-1712). Erneuerer des religiösen Lebens in schwerer Zeit, in: Paulinus a.a.O. Ausgabe Nr. 46 vom 11.11.1984, 16-18; - Pater Martin von Cochem, Kapuziner. 1634 Cochem - 1712 Waghäusel. Festschrift zur Feier des 350. Geburtstages in seiner Heimatstadt, Cochem 1984; - Leonhard Lehmann, Durch Bücher zum Beten bewegen. Zum 350. Geburtstag des Volksschriftstellers Martin von Cochem, in: Wissenschaft und Weisheit 44 (1984) 196-227; - Martin Persch, Das Trierer Diözesangesangbuch von 1846 bis 1975. Ein Beitrag zur Geschichte der Trierer Bistumsliturgie (= Trierer theologische Studien Bd. 44), Trier 1987; - NDB XVI, 278-279; - Alfred Becker, Die Meßerklärung des Kapuzinerpaters Martin von Cochem. (Als Dissertation bei der Theologischen Fakultät Trier in Arbeit.)
Martin Persch
Letzte Änderung: 25.06.1998

Band V (1993)Spalten 947-948 Autor: Martin Persch
http://www.bautz.de/bbkl/m/martin_v_c.shtml



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